Rückblick auf das Austauschforum vom 29.4.2026

... zur Missbrauchsstudie in Vossenack

Die Veröffentlichung der Missbrauchsstudie der Deutschen Franziskanerprovinz hat viele Menschen in unserem Umfeld tief erschüttert. Insbesondere die Tatsache, dass Vossenack in der Studie als Ort vielfacher Täterhandlungen benannt wird, hat den gemeinsamen Willen bestärkt, die Aufarbeitung aktiv zu unterstützen und dauerhaft in unserem institutionellen Selbstverständnis zu verankern.

Am 29. April haben wir deshalb zu einem weiteren moderierten Austauschforum in die Aula des Franziskus‑Gymnasiums eingeladen. Rund 20 ehemalige Schülerinnen und Schüler, überwiegend aus den Abiturjahrgängen der 1970er bis 1990er Jahre, sind dieser Einladung gefolgt.

Viele von ihnen tragen Fragen, Erinnerungen, Irritationen oder auch schwere Verletzungen mit sich. Andere sind tief erschüttert über die in der Studie benannten Taten, empfinden Mitgefühl mit den Betroffenen oder sehen sich konfrontiert mit dem Verlust eines bislang positiven Bildes ihrer eigenen Internats‑ und Schulzeit.

Der Abend war geprägt von einer Atmosphäre eines aufmerksamen und respektvollen Miteinanders. Es wurde zugehört. Ausgesprochen. Ausgehalten. Unterschiedliche Erfahrungen durften nebeneinanderstehen.

Gesprochen wurde über erlebten Missbrauch in seinen verschiedenen Facetten: über spirituellen Missbrauch, über körperliche Übergriffe und über sexualisierte Gewalt.

Ebenso wurde über gute und prägende Erfahrungen aus der damaligen Zeit gesprochen. Für viele Teilnehmende liegen diese Erfahrungen dicht beieinander.

Diese Gleichzeitigkeit, das Nebeneinander von Gutem und zutiefst Verletzendem, ist für viele Ehemalige aus dieser Zeit eine Zumutung. Für manche war die (Internats‑)Zeit die „Hölle auf Erden“, für andere eine glückliche Kindheit und Jugend, und für einige beides zugleich.

Einen allgemein gültigen, „richtigen“ Umgang mit dieser Vergangenheit kann es wohl kaum geben. Umso wichtiger ist das Recht jedes Einzelnen, dass die eigene Geschichte, die eigene Wahrnehmung und das eigene Erleben gehört und ernst genommen werden.

Als heutige Trägerin von Schule und Standort sehen wir es als unsere Verantwortung an, solche Räume des Austauschs zu öffnen und offen zu halten: Räume, in denen Betroffenheit ausgesprochen werden darf. Räume, in denen zunächst zugehört wird. Räume, die nicht abschließen, sondern einen Prozess des Lernens und Verstehens ermöglichen.

Ein weiteres Format dieser Art ist in Planung. Dazu hat Dr. Robert Köhler, Mitglied der Begleitgruppe zur Missbrauchsstudie der Franziskaner, sein Kommen zugesagt. Ein konkreter Termin steht derzeit noch nicht fest.

Darüber hinaus wird noch vor den Sommerferien am Standort Vossenack das sozialpädagogische Projekt „Zeitreisebus“ stattfinden. Gemeinsam mit aktuellen und ehemaligen Schülerinnen und Schülern soll dabei der Blick auf Schule damals und heute gerichtet werden. Der Fokus liegt auf den Ergebnissen der Missbrauchsstudie. Es geht um die Frage, was sich verändert hat, was gelernt wurde und wie Schutz, Verantwortung und Achtsamkeit heute konkret von den Schülerinnen und Schülern erlebt werden. Die Einladung an die Ehemaligen zur Beteiligung folgt.

Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen zum Thema haben, wenden Sie sich gerne an

Alexander Fischer, a.fischer@franziskus‑stiftung.de, Telefon 01520‑9841812

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